Der Alltag wird zum Abenteuer
Mit dem Zug zum Abendessen nach Paris, mit dem Billigflieger zum Shoppen nach Mailand oder im Internet mit wer-weiß-wem wer-weiß-wo chatten - alles kein Problem! Den Globus bereisen mit leichtem Handgepäck. Die Welt ist ein
Dorf!
Alles Augenwischerei. Mag die Welt ein Dorf geworden sein; unser Dorf, sprich die Umgebung, in der wir leben, wird vielen dagegen immer fremder. Weltbürger möchten wir sein, oder doch zumindest Europäer, dabei wäre uns allen
schon viel geholfen, wenn es wieder mehr bessere Nachbarn gäbe (natürlich gibt es die - Gott sei es gedankt - noch, doch seien wir ehrlich, auch im ländlichen Bereich werden sie seltener, von Städten ganz zu schweigen).
Mir kommt diese Fernweh-Exotik-Romantik oft wie eine Flucht vor, eine Flucht vor der Banalität, dem Unaufgeregten, dem Alltäglichen, das uns umgibt. Natürlich ist es toll, fremde Länder und Kulturen kennenzulernen; natürlich
sind Kontakte via Internet zu Menschen anderer Kontinente aufregend - doch das ist das Besondere und darf uns nicht den Blick verstellen, für den Ort, wo Gott uns hingestellt hat und wo wir eine Aufgabe haben. Leider sind
manchmal auch die Kirchen von diesem Besonderheits-Bazillus befallen. Doch ich kann nicht Christ nur auf Kirchen- und Weltjugendtage oder auf dem Jakobsweg sein. Christ bin ich im Alltag, mag er auch noch so grau und dröge
erscheinen.
Ich schreibe bewusst erscheinen, denn meiner Ansicht nach gilt das, was Andre Heller in dem Lied "Die wahren Abenteuer sind im Kopf" gesungen hat: "Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf,
dann sind sie nirgendwo." Jede Fernreise wird banal, wenn ich nicht Fantasie, Glaubensbegeisterung, Enthusiasmus und Freude im Kopf mitnehmen. Und genau mit dieser Fantasie und Begeisterung kann auch jeder Alltag zum
Abenteuer werden.
Michael Tillmann
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