Besichtigung eines Projektes
"Gemeinsam Gemeinde leben." St . Theodor & St. Elisabeth
auf dem Weg zu einer sich selbst verantwortenden Gemeinde.
Am 30. Juni 2006 machten sich 18 Neugierige auf den Weg nach Köln in den Stadtteil Vingst, um sich dort ein Kirchenkonzept anzusehen, dass über die Grenzen dieses Stadtteils bekannt ist. In den Gemeinden
St. Theodor (Köln-Vingst) und St. Elisabeth(Köln-Höhenberg) wird Diakonie und Ökumene nicht nur gepredigt, sondern gelebt. Man diskutiert nicht darüber, was getan werden kann oder muss. Es wird einfach angepackt und das ohne darauf zu
achten, ob etwas für die katholische, die evangelische oder sogar für die muslimische Gemeinde geschieht.
Aber fangen wir einmal am Anfang an: Köln-Vingst und Köln
-Höhenberg waren in den 50er und 60er Jahren die klassische Arbeitersiedlung. Den Menschen ging es gut, weil sich große industrielle Firmen ansiedelten, die den Menschen eine sichere
Arbeit und ein gesichertes Einkommen versprachen. In den 80er Jahren allerdings mussten diese Firmen nach und nach schließen und die beiden Viertel verkamen zusehends. Darüber hinaus
beschloss die Stadtpolitik, dass dort die ausländischen (vorwiegend Muslime) Bürger untergebracht werden sollten, weil diese Viertel eh auf dem „absteigenden Ast waren. Höhenberg
und Vingst verkamen und wer wegziehen konnte tat dies auf dem schnellsten Weg und wer dies nicht konnte, stand nicht dazu woher er kam. Niemand war stolz darauf, hier zu leben. Im
Gegenteil es war ein „Kainsmal in Vingst oder Höhenberg zu wohnen.
Heute sieht es sozial so aus, dass der Ausländeranteil bei 32 % (Durchschnitt in Köln: 18,8 %) liegt und der Anteil der
ausländischen Schülerinnen und Schüler 47,55 % beträgt (auch in der katholischen Schule!). Weiterhin ist es eine Tatsache, dass 40 % der dort wohnenden Familie über kein selbsterwirtschaftetes Einkommen verfügen. Dies bedeutet
diese Familie werden in irgendeiner Weise vom Staat bezuschust. Eine umfassende Untersuchung hat ergeben, dass 56 % aller Kinder auf verschiedene Arten verhaltensgestört sind. Auch falsche Ernährung spielt ohne große Rolle in diesen
Vierteln. Bei vielen Kindern spricht man auch von „tagesobdachlosen Kindern, denn die Kinder gehen morgens aus dem Haus und zu Schule und bleiben den ganzen Tag über unbetreut.
Hier greift nun der erste Teil des sozialen Projektes auf, dass wir uns anguckten: Das HöVi-Land (benannt nach den
beiden Stadtteilen Höhenberg-Vingst). Das HöVi-Land Fist ein ökumenisches Projekt der beiden ansässigen Kirchen und versucht, Kindern zwischen 7 und 15 Jahren in Form einer Stadtranderholung Ferienfreizeit anzubieten. Denn jedes
Kind hat ein Anrecht auf Ferien. Aber hier wird mehr geleistet als nur Spiel, Spaß und Freizeit. Es wird auch pädagogisch und psychologisch gearbeitet. Um die 500 Kinder, die jedes Jahre dort eine
n Platz bekommen (Anmeldungen liegen normalerweise 3 mal so viele vor) kümmern sich 75 Jugendliche, die in
Gruppenleiterschulungen vorbereitet werden und 120 Erwachsene und das ehrenamtlich! 3 Wochen lang können sich dort die Kinder austoben, Spielen, Basteln, Tagesausflüge und Ferien machen. Aber auch soziale Verhaltensweisen
erlernen und vertiefen, die in ihrem „normalen Leben zu kurz kommen oder nicht gelebt werden.
Die Gesamtkosten für dieses Projekt beziehen sich auf ca. 80.000,- € im Jahr.
Finanziert wird das ganze durch Spenden, die durch Fimen im Umland, Vereine und Einzelspender zusammenkommen.
Der zweite Teil unserer Fahrt führte uns dann zur Pfarrkirche St. Theodor in Köln-Vingst. Das Kirchengebäude ist ein sehr junges. Da nach dem Erdbeben von 1992
festgestellt wurde, dass die alte Kirche höchst Einsturz gefährdet war. Der erste Spatenstich für diese Kirche erfolgte am 13. März 1999 und ist ein moderner
Kirchenbau in Form eines Omegas. Allerdings ist das nicht nur eine Kirche, in der die sonntägliche Messe gelesen wird. Nein, dieses Gebäude ist ein Ort der Begegnung
und des sozialen Lebens. Pfarrer Meurer bestand darauf, dass die Kirche zu mehr genutzt werden kann als nur zum Gottesdienst. So wurde ein Kirchenbau geschaffen, der in seinen angeschlossenen Räumen eine Werkstatt, Kleiderkammern,
Essensausgaben und Räumlichkeiten der Begegnung Platz bietet. In dieser Kirche kann man erleben, was diese Gemeinde jeden Tag lebt: Diakonie, Ökumene und Caritas.
Die Lebenseinstellung, die wir hier kennengelernt haben fängt nicht erst bei dem Kirchengebäude an und hört auch nicht
an ihren Türen wieder auf. In Höhenberg und Vingst ist eine Gemeinde lebendig, die sich um alle Menschen, die hier wohnen sorgt und darauf achtet, dass die Stadtteile nicht mehr verkommen: Es werde Blumen gepflanzt, Spielplätze
gebaut und Häuser modernisiert. Die Menschen können wieder stolz darauf sein, hier zu leben.
Mit dieser Fahrt haben wir gesehen, dass das pastorale Konzept von Sehen-Urteilen-Handeln aufgehen kann, wenn jeder mitanpackt auf seine Weise und mit den Mitteln, die einem jeden zu Verfügung stehen.
Stephanie Rieger Pastoralassistentin Diekirch
Diese Fahrt nach Köln/Vingst war eine Initiative folgender kirchlichen Dienststellen:
Centre de Pastorale en Monde du Travail (CPMT)
Info-Video-Center Dikrich
Centre de Pastorale des Jeunes
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