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Ausgelegt!
Bibelwort: Matthäus 22,34-40
Gott, den Nächsten und sich selbst aus ganzem Herzen und mit ganzer Kraft zu lieben. Klingt irgendwie einfach. Keine Gesetzesbücher, keine 1.000 Vorschriften, einfach nur lieben. Wenn es nur so einfach wäre.
Wäre es nicht manchmal besser, wir hätten doch Gebrauchsanweisungen für bestimmte Situationen? "Wenn der Kirschbaum des Nachbarn auf deine Seite wächst, dann darfst du die Kirschen essen, musst aber auch das Laub
zusammenfegen!" Aber vielleicht müssen wir die Herausforderung annehmen und "einfach" lieben. Wenn Gott uns zumutet und zutraut herauszufinden, was denn jetzt gerade "lieben" heißt, dann dürfen wir uns wohl
auch die Freiheit nehmen, herauszufinden, wie das geht, jetzt und hier zu lieben. Und bestimmt ist es nicht das Schlechteste zu fragen: Was der Freude dient? Was tut mir gut und was freut mich? Was tut dem Menschen gut, der mir gerade
begegnet, was freut ihn? Und was erfreut wohl Gott? "Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch", so sagt es der Kirchenvater Irenäus von Lyon. Wohlan denn, probieren wir es aus. Heute lebendig sein. Heute lieben. So gut ich es
jetzt verstanden habe. So gut es mir heute gelingt.
Klaus Metzger-Beck
Bibelwort: Matthäus 22,15-21
Hier geht's gar nicht ums Geld. Es geht auch nicht um politischen Ungehorsam. Die Pharisäer beginnen eine Debatte, in der es nicht um die Sache, um Erkenntnisgewinn geht, sondern ums Reinlegen: Dürfen
wir dem Kaiser Steuern zahlen? Egal, was Jesus sagt: Die Antwort wird Konsequenzen für ihn haben. Die Schlinge wird sich zuziehen - und nur darum geht es dem religiösen Establishment, das den Aufrührer aus Nazaret nach seinem
triumphalen Einzug in Jerusalem und nach seiner Aufräumaktion im Tempel noch rechtzeitig vor den Feiertagen erledigen will.
Jesus weiß das - und er redet sich nicht raus. Er schweigt auch nicht. Er erinnert seine Gegner an das, was sie sein sollen: Nicht trickreiche Debattenführer, sondern Hüter der Botschaft Gottes. Nicht um ihr
politisches Überleben sollen sie kämpfen, sondern an die Existenz Jahwes erinnern. Das Richtige vom Falschen unterscheiden helfen, den Menschen zeigen, was wirklich wichtig ist, wofür sie Herz und Hand (und auch Geld!) einsetzen
sollen. Der Kaiser, sagt Jesus, ist nicht so wichtig. Konzentriert euer Leben auf Gott. Das ist wichtiger als die Frage, in welcher Tasche der Denar landet.
Christina Bramkamp
Bibelwort: Matthäus 22,1-14
Wie grausam Jesus erzählen kann. In diesem Gleichnis vom Hochzeitsmahl und den vielen Einladungen lugt an keiner Stelle die reine Gnade hervor, für die Jesus sonst bekannt ist und geliebt wird. Und selbst
als die Landstreicher von den Straßen zum großen Fest geladen werden, gibt es da noch einen, den Jesu ganzer Zorn trifft, weil er kein Hochzeitsgewand trägt. Wo sollte er das denn so schnell herhaben? Hier spricht der reine Zorn über
Menschen, die sich dem Ruf der Gottesliebe versagen, allerlei Entschuldigungen hervorbringen und voller Unlust sind. Jesu Zorn gilt den Selbstgerechten, den Besserwissern, den Selbstverliebten, die sich von keinem göttlichen Wort
infrage stellen lassen, geschweige denn ihren Weg ändern. Wieder und wieder sitzen sie in den Gottesdiensten oder zu Hause beim Lesen der Heiligen Schrift, Jahr um Jahr hören oder lesen sie vom Willen Gottes und schaffen es immer,
diesen Willen in ihr eigenes kleines Weltbild umzudenken. So kann es Gott doch nicht gemeint haben, sagen sie sich dann und gehen wieder ihren Geschäften nach. So zornig wird Gott schon nicht werden, beruhigen sie sich und andere. All
denen, die Gott so gut zu kennen meinen, sagt Jesus hier: Doch. Auch so kann Gott sein. Wer liebt wie er, ist auch mal zornig wie er, wenn die Liebe nicht erwidert wird. Achtet also darauf, wenn ihr wieder einmal sein Wort hört. Wisst
es nicht besser; es ist Sein Wort, Seine Liebe.
Michael Becker
Bibelwort: Matthäus 21,28-32
Sich selbst, das eigene Tun, die eigenen Entscheidungen zu hinterfragen, ob sie wirklich nachhaltig und gut sind, ist eine Fähigkeit, die den Menschen ausmacht und ihn vom Tier unterscheidet. Zu erkennen,
dass ich so nicht weiterkomme und die Gabe umzukehren, macht die Würde meines Menschseins aus. Wie schade, dass wir uns dieser Würde so oft berauben und von Umkehr nichts wissen möchten. jesus meint, wir könnten von den
"Sündern" lernen. Ihnen würde es am leichtesten fallen, umzukehren. Vielleicht brechen diese Menschen sich weniger Zacken aus einer illusionären Krone, wenn sie sich eingestehen, dass sie auf dem Holzweg sind. Vielleicht sind
sie dadurch frei von der Angst, ob sie nach außen gut dastehen. Warum eigentlich nehmen wir uns nicht dieselbe Freiheit, fassen uns an unsere Nase und bekennen selbstbewusst, was wir manchmal für einen Unsinn gedacht oder gemacht
haben? Und was wäre, wenn wir den Menschen, die sich das trauen, viel mehr Respekt entgegenbringen würden? Wie viel entspannter wäre es, wir würden von uns und den anderen nicht mehr verlangen, keine Fehler zu machen? Das wäre eine
wirkliche Befreiung: Wenn wir einer großartigen menschlichen Fähigkeit die Wertschätzung geben, die sie verdient. Unserer Gabe, uns selbst zu hinterfragen und umzukehren.
Klaus Metzger-Beck
Bibelwort: Matthäus 21,33-44
Der Sohn ist das Liebste und Kostbarste, er ist die Fruchtbarkeit und die Perspektive, die Hoffnung und die Zukunft. Dafür sind Sohn (und Tochter) - abgesehen von der ganz konkreten physischen Person - seit
ewigen Zeiten für die Menschen Urbild und Sinnbild. Das heutige Evangelium spricht strenge, fast furchterregende Worte: In einer ersten Schicht geht es um Gier und Machenschaften einerseits, um Wahrhaftigkeit und Treue andererseits.
Diese Ebene spricht die Moral und die Redlichkeit von Menschen an. In einer zweiten, tieferen Schicht geht es um den Sohn, um den Erben der fruchtbaren Weingüter. In dieser Ebene geht es um Beziehung, um Sinn - und schließlich geht es
um den Glauben an das Reich Gottes selbst. Immer wieder staune ich, welche verschiedenen Ebenen das Evangelium (nicht nur heute) anspricht, und fast immer geht es um fast alles: Es geht um meine Redlichkeit und Wahrhaftigkeit, um meine
Beziehungen und meinen Glauben. Und auch Gott geht es um viel: Um seinen Sohn. Und das lässt mich, durch alle strengen Worte hindurch, etwas vom Liebsten und Kostbarsten Gottes erahnen.
Christine Rod MC
Bibelwort: Matthäus 18,15-20
Es geht um Gemeinsames und Trennendes im heutigen Evangelium. Die junge Matthäusgemeinde versucht anscheinend, Trennendes und Konflikte zu benennen und zu regeln, sodass ein Zusammenleben wieder neu und
anders möglich wird. Es tröstet mich sehr, dass erstens diese junge Gemeinde auch schon Meinungsverschiedenheiten kannte und versucht hat, Weisen des Umgehens zu finden. Und zweitens tröstet es mich, dass gleich danach vom Binden und
vom Verbindenden die Rede ist, und dass da auch Erde und Himmel miteinander verbunden werden. Erst wenn Unterschiede, auch schmerzliche, thematisiert werden und faire Wege des Miteinanders gesucht werden, dann ist wieder eine
gemeinsame Basis da. Und nicht nur auf der rein kommunikativ-menschlichen Ebene, sondern dann kann man den Kopf und den Blick und das Herz wieder frei bekommen dafür, wer und was einen verbindet: nämlich Gott. Und man kann miteinander
von Ihm alles erbitten. Was für ein Trost!
Christine Rod MC
Bibelwort: Matthäus 16,21-27
Der Sonntag stellt die Frage nach den Prioritäten in meinem Leben. Wofür setze ich meine Zeit und meine Begabungen ein, was gibt mir Halt? Diesen Fragen aus dem Weg zu gehen, ist sicherlich die falsche
Antwort. Es gibt noch viele andere Antworten, und das Evangelium zeigt uns, dass selbst Petrus nicht davor gefeit war, eine falsche zu geben. Seine Zurechtweisung zeigt, worum es geht: In Jesu Aufforderung zur Nachfolge steht das Kreuz
im Mittelpunkt, oder wie es ein Nachfolger des Petrus formulierte, Papst Johannes XXIII.: "Von allen Punkten der Erde aus bewegen wir uns auf den Himmel zu. Doch der Weg dahin ist immer der des Kreuzes. " Dem Kreuz können wir
nicht ausweichen. Dabei erinnert das Kreuz an Folgendes: Jesus hat sich entschieden, lieber für uns zu sterben, als ohne uns zu leben. Das ist der Maßstab: Sind wir auch bereit, lieber zu sterben, als ohne ihn zu leben? Wobei
"sterben" nicht den irdischen Tod bedeuten muss, im Hier und Heute auch nicht bedeutet. Das Kreuz fragt uns vielmehr, ob wir bereit sind, auf all das zu verzichten, was uns von Gott fern hält. Das Kreuz symbolisiert, dass es
in meinem Leben nicht immer nur um mich selbst gehen darf. Es gibt eine horizontale Perspektive, die Menschen mit denen ich lebe; und es gibt eine vertikale Perspektive, die Beziehung zu Gott. Das alles in Einklang zu bringen, bedeutet
Nachfolge.
Peter Kane
Bibelwort: Matthäus 18,21-35
Vergebung erhalten und selbst nicht vergeben - das geht gar nicht, wie man heute sagt. Von Gott nahezu jede Stunde verziehen zu bekommen, dass man an der Welt und an Menschen schuldig wird, ohne von ihm zur
Rechenschaft gezogen zu werden, von anderen aber bei jeder Kleinigkeit Rechenschaft einzufordern und ihnen Strafen anzudrohen, das geht nicht, eigentlich. Dennoch geschieht es Tag für Tag, Stunde für Stunde. Das Gleichnis, das Jesus
erzählt, ist nicht übertrieben. Wenn wir uns nur einen Augenblick einmal die Mühe machen, unsere vergangene Woche an den Zehn Geboten und am Liebesgebot Jesu zu prüfen, dann werden wir uns gewiss nicht nur einmal schämen müssen. Und
wenn wir dann noch überlegen, wie oft wir - und wenn auch nur im Stillen - von anderen ihr Schämen erwartet haben, dann "gnade uns Gott", buchstäblich. Ja, er begnadet uns jeden Augenblick. Wenn Gott einmal einen Augenblick
aufhören wird zu verzeihen, hat der Schriftsteller Julien Green (1900-1998) geschrieben, dann wird die Welt in Stücke fliegen. So sehr leben wir vom Verzeihen, von unverdienter Gnade, von Vergebung. Wer wollte da nicht viel mehr
vergeben denen, die auch im Unübersichtlichen leben wie wir. Wer wollte da nicht denen verzeihen, die auch gelegentlich den Überblick verlieren wie wir. Und zugleich immer wieder danken, dass er sich erbarmt.
Michael Becke
Bibelwort: Matthäus 16,13-20
Nein, es ist keine Prüfung, die Jesus da abhält, und es ist auch nicht die Neugier. Ich meine eher, es geht um den Urwunsch, erkannt und verstanden zu werden. Auch jesus hat diesen Wunsch, und auch er weiß
um die Schwierigkeit der Frage, was denn seine Freunde von ihm begriffen haben. Jesus muss weit weg gehen, über vertrautes Terrain hinaus, nach Cäsarea Philippi, um diese Frage zu stellen. Erkannt und verstanden werden einerseits;
einander sagen, wer und was man füreinander ist andererseits, das ist Urwunsch und Ursehnsucht, und daher verbunden mit Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit.
Deshalb ist es so ein wunderbares, vertrautes, inniges, fast intimes Gespräch, das da zwischen Jesus und seinen Jüngern stattfindet, zuerst noch über "die Leute", dann über sie selbst. Es sind
einfache Fragen, kurze Worte und Sätze, und doch: Es geht um ein Bekenntnis einerseits, um einen großen Auftrag (auch wenn sie diesen vermutlich noch gar nicht verstanden haben) und eine große Verheißung für Petrus und seine Gefährten
andererseits.
Christine Rod MC
Bibelwort: Lukas 1,39-56
Eine Begegnung und am Ende ein Satz: "Selig ist die, die geglaubt hat, was der Herr ihr sagen ließ." Man könnte fast sagen: ein kurzer Satz für Elisabet - ein ganzes Programm für ein christliches
Leben. Als Allererstes Hörender sein. Die Augen und Ohren des Herzens öffnen, um zu hören, was Gott mir in meinem Alltag sagen will. Es nicht schon im Vorhinein wissen und mich in meiner Selbstgewissheit einrichten. Dann der Verheißung
trauen. Was immer Gott uns mitteilen möchte, es steckt eine Verheißung dahinter. Ich kann darauf vertrauen, dass durch seinen Anruf und durch meine Antwort Liebe, etwas Gu-tes und Schönes in die Welt kommen soll. Und weiter: Wie Maria
nicht allein bleiben, nicht vor mich hin rätseln, was jetzt das "Richtige" ist. Nicht nur auf meine Deutung vertrauen, offen bleiben für andere Sichtweisen und offene Fragen aushalten. Selbst die großen Mystiker sind mit
ihren Offenbarungen nicht allein geblieben, sie haben sich ausgetauscht, sich antragen lassen. Und dann schließlich soll ich mich auf den Weg machen, die Verheißung weiterzugeben, auch durch schwieriges Gelände. Anderen Menschen
begegnen, die ebenfalls eine Verheißung in sich tragen. Und wir stärken uns gegenseitig und lassen uns bestärken.
Klaus Metzger-Beck
Bibelwort: Matthäus 14,22-33
Das Boot ist eines der ältesten Symbole für die Kirche. Und dieses Boot hat in diesem Evangelium Gegenwind. Die Jünger sind nicht in Seenot, aber sie kommen auch nicht voran, nicht dorthin, wo sie hinwollen.
Und vor lauter Kampf mit den Elementen sehen sie nicht, dass jesus ihnen entgegenkommt, ihnen Halt und Trost geben will. Und Petrus, wieder einmal ein Maulheld, steigt sogar aus! Er verlässt das Boot, macht sich allein auf den Weg zu
Jesus und geht prompt unter. Erst als Jesus wieder mit im Boot ist, kehrt Ruhe ein - auf dem See und in den Herzen der Jünger. Ein Evangelium, wie es aktueller kaum sein kann! Die Kirche im Gegenwind, Jesus scheinbar weit weg, die
Jünger voller Angst. Das Ziel ist so nicht zu erreichen, und dann beginnt auch noch der wichtigste Mann im Boot Alleingänge. Doch auch die Lösung ist klar bei diesem Sturm auf dem See: Zusammenhalten, Jesus in die Mitte holen, ihn
anbeten als Gottes Sohn und weitersteuern auf das Ziel zu - so gewinnt das Schiff, das sich Gemeinde nennt, wieder Fahrt. Sagt das Evangelium.
Christina Bramkamp
Bibelwort Matthäus 73,44-52
"Freuen Sie sich eigentlich darüber, dass Sie Christen sind?", fragte unser Pfarrer vor einigen Wochen seine Sonntagsgemeinde, als er von einer jungen Familie erzählte, die er bei ihrem Eintritt in
die Kirche begleitete. Die Frage ging mir lange nach, und heute höre ich sie wieder im Evangelium. Die Glückspilze in Jesu Gleichnis sind überwältigt von ihrem Fund. Sie handeln sofort - es drängt sie, alles herzugeben, um den einen
großen Schatz zu bekommen. So groß ist ihre Freude!
"Mein Schatz", sagen wir zu einem geliebten Menschen, und damit vergleicht Jesus das Himmelreich. Wer es gefunden hat, den macht es froh, den reißt es aus dem alten Fahrwasser, der setzt alles ein,
um es zu gewinnen. Jesus ruft uns also nicht zu verbissener Opferbereitschaft oder zu kühlen Planungen, um nach dem Himmelreich zu streben. Er will, dass die Freude daran uns lockt, alles Unwichtige hinter uns zu lassen. "Habt ihr
das verstanden?", fragt er am Ende seiner langen Gleichnisrede. Unser Ja will er hören!
Christina Bramkamp
Johannes 3,16-18
Nur drei Sätze hören wir heute, aber die haben es in sich: Das ganze Johannesevangelium ist in ihnen enthalten, sagen Bibelwissenschaftler. Die ganze frohe Botschaft in drei Sätzen, die noch dazu von
schwierigen Begriffen wie "richten", "zugrunde gehen" und "nicht glauben" nur so wimmeln. Und doch steckt viel Frohe Botschaft in dieser Lesung: Gott liebt die Welt so sehr, dass er nicht tatenlos zusieht,
wie sie leidet. Dass Menschen die Schöpfung missachten, die Überzeugungen der anderen nicht achten, sich Konkurrenten vom Halse schaffen - Gott ist das nicht egal. Aber er haut nicht einfach drauf, kommt nicht mit einem fürchterlichen
Strafgericht daher, sondern schickt seinen Sohn, einen Prediger und Geschichtenerzähler, einen Messias ohne Armee und Schlachtplan, einen Kinderion. einen Freund des Lebens, den die Frommen als "Fresser und Säufer"
beschimpften, einen, der sich mit Ungläubigen, Zöllnern und Dirnen trifft. Durch so einen wird die Welt gerettet, wenn sie an ihn glaubt. Das war starker Tobak für die Frommen von damals. Aber es sagt uns, wer Gott ist: ein
übermenschlich Liebender, die Liebe selbst. Es sagt uns, wer der Sohn ist: ein Retter um jeden Preis. Und es lässt uns ahnen, aus welchem Geist sie beide handeln.
Christina Bramkamp
Johannes 20,19-23
Es ist der lukanische Pfingstbericht vom Sturmbrausen und den Feuerzungen, der unsere Vorstellungen vom Wirken des Heiligen Geistes geprägt hat. Und uns in die Irre führen kann. Ich gebe ehrlich zu, ich mag
keine "Pfingstbilder" - schon gar nicht welche mit Feuerzungen oder Taube oder womöglich beiden zusammen. Pointiert gesagt, halte ich es da lieber mit der Süßwarenindustrie - oder haben Sie schon einmal etwas von einer
Schokoladen-Taube oder Nougat-Zungen gehört? Meine Pfingstvorstellung findet sich eher im Evangelium wieder, wo es heißt, dass Jesus die Jünger mit dem Heiligen Geist anhauchte. Denn der zentrale Begriff "meines
Pfingstfestes" ist: Leere. Wenn ich den Heiligen Geist empfangen möchte, wenn ich von ihm erfüllt werden möchte, muss ich ihm Platz einräumen, muss leer sein. Oder wie es Martin Luther ausgedrückt hat: "Gottes Natur ist, dass
er aus nichts etwas macht. Darum: Wer noch nicht nichts ist, aus dem kann Gott auch nichts machen." Nichts sein, heißt auch: Keine bestimmten Vorstellungen zu haben, wie der Heilige Geist wirken soll, wie ich ihm begegnen kann.
Ansonsten ist die Gefahr groß, dass ich den Heiligen Geist übersehe, weil ich - um im Bild zu sprechen - Sturm brausen und Feuerzungen erwarte, wo der Heilige Geist doch ganz anders wirkt.
Michael Tillmann
Bibelwort: Johannes 17,1-11a
Jesus bittet für uns. In diesen vielen schweren, manchmal geheimnisvollen Worten ist jesus die Mitte der Welt - zwischen dem allmächtigen Gott und Vater, und den Menschen auf Erden. Diese Worte unseres Herrn
sind nur schwer oder gar nicht zu erklären, dafür aber kann man sie schön und würdig verlesen. Der Herr selbst bittet für uns. Sein ewiger Vater im Himmel ist ihm selbstverständlich. Und selbstverständlich ist ihm auch, dass Jesus
"vorher" in Gottes Herrlichkeit war und "dann" in sie zurückkehren wird. Das müssen wir nicht verstehen. Es genügt erst einmal, Jesu Worte so zu nehmen, wie sie sind: Schön, schwer, geheimnisvoll.
Wir werden mit unseren Erklärungen das Geheimnis höchstens zerreden, aber nicht lüften. Aber wir werden uns ihm nähern können. Nahe bei sind wir, wenn wir unser Leben auf der Erde als einen Teil unseres
Lebens betrachten - als den sichtbaren unseres Lebens. Was davor war, ist uns verschlossen. Was danach kommt, weiß Gott allein - und wieder Jesus, der ja nun in Gottes Herrlichkeit lebt. Zu glauben heißt hier: Anerkennen und annehmen,
wie selbstverständlich jesus die Nähe Gottes empfindet: Ich bin dein, Vater. Könnten wir das sagen, auf Knien, innig oder zweifelnd: Ich bin dein, Vater - ER selbst würde uns erheben vom schweren Boden. Uns wäre leichter ums Herz.
Michael Becker
Bibelwort: Johannes 10,1-10
Wir glauben den Heilsversprechen in der Werbung: An Zigarettenrauch, der die Freiheit bringt, an Autos, die aus übergewichtigen Büroangestellten sportlich dynamische Menschen machen, an Gerstensaft, der uns
mit der Welt verbindet. Weil wir es glauben wollen. Wir glauben den Verheißungen von Börsenmaklern und Investmentbankern. Wir glauben daran, dass Geld für uns arbeitet. Und jede Krise erschüttert unseren Glauben nur kurz. Hinterher
glauben viele schnell wieder, es könnte so weitergehen wie bisher. Weil sie es glauben wollen. Warum eigentlich tun wir uns so schwer, daran zu glauben, dass wir zu beschränkt denken. Dass es da noch mehr gibt. Etwas, jemanden, der
viel größer ist. Eine Kraft, die weiter sieht. Ein Gott, der uns beim Namen nennt, der hinter unsere oberflächlichen Geltungsmuster sieht und weiß, was wir wirklich brauchen. Einer, den wir als den Guten Hirten bezeichnen, ohne ihn
damit wirklich beschreiben zu können. Wie wäre es, wir würden uns einmal probehalber entscheiden, an diese unbegreifliche Kraft glauben zu wollen. Für die nächste Zeit so tun, als ob es diesen Guten Hirten gäbe, der uns führen möchte,
zum Leben in Fülle. Uns auf die Suche machen, wo er uns in unserem Leben begegnet. Und dann abwarten, was passiert.
Klaus Metzger-Beck
Bibelwort: Matthäus 6,24-34
Diese Worte kann man nicht "auslegen", die muss man einatmen. Man sollte sich die Worte Jesu immer wieder vorlesen und dabei versuchen, sie nachzuempfinden. Jesus steht am Berg, vielleicht
zweihundert Menschen um ihn herum - Frauen, Kinder, Männer - dazu die Jünger, die bis vor kurzem durch ihrer Hände Arbeit für den Lebensunterhalt ihrer Familien gesorgt haben. Und die alle hören: Sorgt euch nicht um euer Leben. Konnten
die Menschen am Berg überhaupt verstehen, welches unfassbare Gottvertrauen in diesen Worten wohnt? Können wir das verstehen? Ich denke, nein. Das ist nicht zu verstehen und nicht auszulegen. Das kann man nur erahnen, wenn man das ganze
Leben Jesu betrachtet und dabei zu empfinden versucht, wie Jesus genau diese Worte lebte. Wenn er am Abend nicht wusste, wo er die Nacht verbringen kann; wenn er die Mutter sieht, die gerade ihr Kind beerdigen muss; wenn er dem Pilatus
gegenübersteht und ihm leise sagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn er dem Verbrecher neben sich noch im Sterben das Paradies verspricht. Wenn wir das nachempfinden, dann ahnen wir bald, dass in diesen Worten Jesu Herz
schlägt: Sorgt euch nicht um euer Leben. Und wir spüren sein Gottvertrauen, das höher ist als alle Vernunft.
Michael Becker
Bibelwort: Matthäus 5,38-48
Jesu bürstet gegen den Strich, und zwar kräftig. Was sind denn das für verrückte Dinge, die er da empfiehlt - sich noch mehr schlagen lassen, sich noch mehr ausnützen lassen? Ist Jesus ein Provokateur? ja,
das mag sein; manchmal wirklich, um zu provozieren, die Pharisäer und die Schriftgelehrten z.B., die allzu Selbstsicheren und Selbstgerechten also. Ja, Jesus ist ein Provokateur, und zwar im besten und ursprünglichsten Sinn des Wortes:
Er ist einer der hervorruft, der herausruft. Er ruft und rüttelt, er beunruhigt und macht mich wach. Er bürstet gegen den Strich und weist mich auf neue, vielleicht paradoxe, jedenfalls noch nicht erdachte und erprobte Möglichkeiten
hin. Er erinnert mich daran, dass es noch etwas anderes als das "Mehr vom selben" gibt, dass man damit eingeschliffene Muster unterbrechen kann und soll, und dass mit diesem Grenzenüberschreiten etwas Neues entstehen kann.
Das ist das Provozierende, beinahe das Ungeheuerliche an jesus: Er ruft in mir die Bereitschaft und den Mut hervor, aus meinen eingeschliffenen, und gerade deshalb so gut bekannten Verhaltensmustern
auszusteigen und anders, neu, großzügig zu agieren. Und dann entsteht Neues, Lebendiges.
Christine Rod MC
Bibelwort: Matthäus 5,17-37
Jesus, der Befreier von unmenschlichen Geboten. Der Mittler des Neuen Bundes der Liebe, der den Alten Bund der Gesetze und Gebote außer Kraft setzt. Der "erste neue Mann". So hat die Theologie den
Juden Jesus jahrhundertelang präsentiert. Offenbar haben auch manche seiner Zeitgenossen so gedacht. Und da kommt Jesus in diesem Evangelium mit noch strengeren Vorschriften daher: jetzt ist nicht mehr das Tun, sondern sogar schon das
Denken schlecht! Wer kann denn was für seine Gedanken und Gefühle?
Für mich erklärt sich die Perikope nur vom Schluss her: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Seid ehrlich, heißt das für mich. Macht euch nichts vor: Ist ja alles nicht so wild, waren ja nur
Gedankenspiele. Auf euer Ja soll man sich verlassen können.
Redet euch nicht ein, es sei ja nicht so schlimm, den Ehepartner zu betrügen, solange es nur im Kopf passiert. Wer jede Nacht in seiner Fantasie fremdgeht, braucht sich über die Ehebrecher nicht zu mokieren.
Und wer in aller Heimlichkeit am Stuhl des Arbeitskollegen sägt, sollte am Stammtisch nicht laut die Todesstrafe für alle Mörder fordern. Sünde - und nichts anderes ist ja das Brechen von Gottes Geboten - beginnt schon da, wo wir dem
Fremden misstrauen, uns Strategien überlegen, wie wir(und zwar wir allein) aus einem Schlamassel wieder heraus kommen, ob wir gut da stehen, wenn wir andere runtermachen. Dass ich keinen umgebracht habe und im Laden nichts mitgehen
lasse, ist kein Grund, mich für moralisch hochstehender zu halten, solange ich nicht Ja sage zur treuen liebe. Solange ich Nein sage zur Solidarität mit dem Bruder nah und fern.
Christina Brunner
Bibelwort: Matthäus 5,13-16
Beide Bilder, das vom Salz der Erde, und das vom Licht der Welt, sprechen von der Wirksamkeit des Christen in der Welt. Keine Straße oder Stadt, in der Christen wohnen, darf wie eine Straße oder Stadt sein,
in der keine Christen leben. Kein Betrieb und keine Klasse, in der Christen arbeiten und lernen, dürfen sein wie ein Betrieb oder eine Klasse ohne Christen. Die Gegenwart von Christen muss spürbar, muss erfahrbar sein - ein großer
Anspruch. Doch Jesus redet von unterschiedlichen Wegen, auf denen Christen diesen Anspruch erfüllen können. Das "Salz", es wirkt eher unscheinbar,unsichtbar, man "schmeckt" oder vermisst seine Gegenwart, doch das
"Wirken des Salzes" geschieht im Verborgenen. Einladung für alle Christen, die nicht im Mittelpunkt stehen möchten und dennoch als Christen wirken. Und daneben gibt es die Christen, die wie ein Licht auf dem Leuchter im
Rampenlicht stehen können und möchten. Die dann ihre größte Wirkung erzielen, wenn die Menschenzu ihnen hin schauen. Auch das verurteilt Jesus nicht, sondern lässt es gelten. "Salz der Erde", "Lichtder Welt" - hohe
Ansprüche, doch menschliche Wege sie zu erfüllen. Und noch etwas: Jesus spricht davon, dass Christen schon Salz und Licht sind, nicht erst noch werden müssen. Jesus traut uns etwas zu.
Michael Tillmann
Bibelwort: Matthäus 4, 12-23
Liegt Galiläa im Dunkeln? Ein Gebiet voller Heiden im Schattenreich des Todes? Seltsame Bezüge zum Ersten Testament stellt der Evangelist da her. Das war doch ein ganz normaler Lebensraum für Simon,
Johannes, Zebedäus und all die anderen, die später im Evangelium auftauchen: der Zöllner Matthäus, die blutflüssige Frau, der Hauptmann von Kafarnaum ...
Liegt München, Frankfurt, Hamburg im Dunkeln? Leben wir im Schatten des Todes? Muss uns ein helles Licht aufstrahlen? Die Lesung des heutigen Tages erinnert an die Advents- und Weihnachtszeit- und die ist ja
schon sooolange vorbei. Alle Weihnachtsbäume sind schon entsorgt, in den meisten Kirchenstehen keine Krippen mehr, und in den Geschäften liegen Luftschlangen und Karnevalskostüme. Der Alltag hat uns wieder. Aber: Uns ist doch ein Licht
aufgegangen! Aus dem oft so verkitschten Kind von Betlehem ist ein Mann geworden, der fordert: Kehrt um! Lasst alles stehen und liegen, was so wichtig scheint, aber nicht zum Leben führt. Kümmert euch um das Wesentliche. Bleibt nicht
im Dunkeln hocken, kommt heraus - ans Licht! Simon und Johannes, Matthäus und der heidnische Hauptmann haben den Ruf gehört, ihr Leben hat sich radikal verändert. Sein Ruf fordert auch uns heraus - ins Leben.
Christina Bramkamp
Bibelwort: Johannes 1,29-34
Kennst du einen guten Heilpraktiker? Weißt du von einer guten Therapeutin in der Nähe? Ich suche eine Kfz-Werkstatt, der man vertrauen kann? Immer wieder werden wir um ein gutes Zeugnis gebeten für Menschen,
die uns medizinisch, therapeutisch oder technisch eine Hilfe sein können. Weniger oft stellt man uns die Frage: Kennst du jemanden, auf den ich mein Leben bauen kann? Auch dann noch, wenn es schwierig wird? Gibt es etwas, das meinem
Leben einen Sinn geben kann? Und doch suchen Menschen nach glaubwürdigen Zeugen, die Antworten auf diese Fragen geben können. Da ist eine Sehnsucht nach jemandem oder nach etwas, das die Seele nährt. Wie können wir also Zeugnis geben
für etwas, das Menschen suchen, sich aber nicht zu fragen trauen? Es braucht sehr viel Einfühlungsvermögen, sehr viel Gespür für die Nöte, die Fragen und die Wünsche der Menschen, die uns begegnen. Es braucht die Bereitschaft zu echter
tiefer Begegnung. Manchmal kann man direkt nachfragen: Wonach suchst du? Aber vor allem müssen wir selbst überzeugt sein von dem, den wir weiter empfehlen möchten. Also zuerst die Frage an uns selbst: Kennst du einen, der für dich Halt
und Grund ist, der deinem Leben Sinn verleiht?
Klaus Metzger-Beck
Bibelwort: Matthäus 3,1-12
Früher konnte ich es nur ganz schlecht hören, dieses "Kehrt um!", sei es von Johannes dem Täufer gesprochen, wie im heutigen Evangelium, oder sei es von Jesus am Anfang seines öffentlichen Lebens
verkündet. Zu appellierend und moralisierend ist es bei mir angekommen.
"Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe." Geholfen hat mir zu einem neuen Zugang, dem Wort "Umkehr" auf den Grund zu gehen, zurück bis zum griechischen Wort "metanoia".
"Meta" heißt"über etwas hinaus gehen und hinaus denken"; "Nous" bedeutet Sinn. Dann hat es sich mir erschlossen: Also über den mir bisher bekannten Sinn, über das vielleicht all zu vertraute Erkennen und
Deuten hinaus gehen, Neues zulassen. Ja, das möchte ich auch;d as rührt an meine tiefe Sehnsucht, die Kreise des Lebens größer zu ziehen und Gott in meinem Leben größer, tiefer,weiter sein zu lassen. "Kehrt um!" wird so zur
Einladung, aus meinen Verstrickungen und meinem allzu engen Denken und Fühlen auszusteigen und Gott an mir handeln zu lassen. Zur Einladung Gottes, mich wandeln und verwandeln zu lassen - zu Ihm und zu mir selbst. Da wird etwas von
Seinem Himmelreich nahe. Wenn das keine frohe Botschaft der Menschwerdung in diesem Advent ist?
Christine Rod MC
Bibelwort: Matthäus 24,29-44
"Eilige Terminsache! Fertigstellungstermin am 12. Januar!" Immer mehr sind Menschen, Institutionen und Unternehmen an exakte Terminvorgaben und Fristen gebunden. Aber bei allen Planungen vergessen
wir oft, dass das Wesentliche im Leben nicht mit dem Terminkalender einzufangen ist. Wie und wann Gott in unser Leben einbrechen will, ist nicht vorherzuberechnen. Mit akribischem Zeitmanagement und Terminplanungen fokussieren wir nur
das Äußerliche, die Struktur, die Oberfläche. Das ist manchmal wichtig, das Leben geht jedoch tiefer. Es geschieht unvorhergesehen und unverfügbar. Wir können nur achtsam sein für das Geschenk des Lebens. Achtsam für den Blick und das
Lächeln eines Menschen. Achtsam für den Hilferuf eines in Not Geratenen. Achtsam für den Hinweis eines Freundes, der uns neue Zuversicht schenkt. Achtsam für ein Stellenangebot, das unser Leben verändern kann. Achtsam für die Stimme
unserer eigenen Sehnsucht. Achtsam für die liebe, in welchen Farben sie uns auch immer begegnet. Wenn wir möchten, dass unser Leben etwas Außergewöhnliches, etwas Besonderes ist, dann sollten wir unser Herz offenhalten. Dann sollten
wir damit rechnen,dass etwas Größeres als wir selbst uns begegnen und herausfordern möchte. Und wenn der Gott des Lebens an die Türe unseres Herzens klopft, dann wäre es gut, wenn wir ihn nicht mit dem Hinweis auf unseren
Terminkalender wieder wegschicken.
Klaus Metzger-Beck
Bibelwort: Lukas 15,1-32
Die Geschichte von den beiden ungleichen Brüdern.
- Ich mag die beiden Brüder, jeden auf seine (und meine) Weise. Den einen, weil er ohne viel Aufsehen in Treue zu Hause bleibt und tut, was er zu tun hat. Er ist der ältere Bruder, und vermutlich spricht er
in mir die Vernünftigkeit und die Verlässlichkeit an. Ich kann ihn gut verstehen, dass er am Ende enttäuscht ist, dass er sich übergangen und mit seinem Engagement zu wenig gewürdigt fühlt. Und ich mag natürlich auch den jüngeren
Bruder, der sich aufmacht und die Welt und das Leben kennenlernen will.
Der etwas riskiert, nämlich auch Scheitern und Verarmung, Fremdheit und Bedürftigkeit, Verstrickung und den Verlust seiner Würde. Vermutlich spricht er in mir die Abenteuerlust und den Mut für Neues und
Unbekanntes an. Und er riskiert noch etwas, nämlich als Gescheiterter und Heruntergekommener zurückzukommen, in aller Verlorenheit und in aller Ungewissheit, ob und wie er wieder zu Hause ankommen kann.
In den letzten jahren hat die Geschichte immer stärker den Titel: "Der barmherzige Vater" bekommen. Ich bin dankbar für diese "Umbenennung ", für diese Verschiebung, denn Gottes Herz ist
groß genug für beide.
Christine Rod MC
Bibelwort: Lukas 14,25-33
Jesus kann sehr zärtlich sprechen. Aber auch sehr schroff. An diesem Sonntag ist er eher schroff und sagt: Wenn jemand nicht sein ganzes Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Kein Wunder,
möchte man da antworten, dass nur ein paar wenige mit ihm gegangen sind. Wer will denn seine Familie, seinen Besitz und alles ihm lieb gewordene einfach so zurücklassen? Wer will sich denn aufgeben, nur um mit Jesus zu ziehen?
Ja, genau das ist die ernste Frage. Die meisten Menschen möchten ihr Leben und Jesus noch dazu. Davor warnt Jesus. Ich will nicht am Rand deines Lebens stehen, sagt er sinngemäß. An mich glauben, sagt Jesus,
heißt: mich zur Mitte des Lebens machen. Am Morgen, am Mittag, am Abend; beim Arbeiten, beim Lieben, beim zu Bett gehen. Einfach immer.
Glaube heißt, das ganze Leben von ihm bestimmen zu lassen. Man gehe getrost seinen Geschäften nach, aber man bitte dabei immer: Dein Wille geschehe. Wer kann das? Das ist nicht die Frage. Jesus interessiert
kein Können. Jesus interessiert die Absicht, das Bemühen, mein guter Wille. Damit könnte man doch anfangen, oder? Und Erfolge dann getrost dem Heiland überlassen.
Bibelwort: Lukas 14,1.7-14
Ist das heutige Evangelium ein Lob der Bescheidenheit? Mag sein, denn es ist ja wohl immer gut, sich nicht gleich zu wichtig zu nehmen. Es könnte ja noch andere Wichtige oder sogar Wichtigere geben, und dann
wäre meine Wichtigtuerei eine Peinlichkeit.
Aber da ist auch noch eine andere Blickrichtung bzw. eine andere Wichtigkeit, nämlich die Armen und die Krüppel, die Lahmen und die Blinden. Vielleicht ist das heutige Evangelium ein Lob der Aufmerksamkeit,
und zwar der Aufmerksamkeit für Schwache. Schwach ist jemand, wenn er sich selbst nicht zu helfen oder zu versorgen weiß, wenn er auf andere angewiesen ist und wenn er sich nicht auf gleicher Augenhöhe revanchieren kann, wenn die
Beziehung also einseitig bleibt. Kaum jemand will schwach und angewiesen sein, und dennoch ist das ein Wesensmerkmal unseres Glaubens und unserer Kirche: Aufmerksamkeit für die Schwachen um uns, und zwar nicht nur aus der Distanz,
sondern sogar beim Fest in unserem eigenen Haus, am eigenen Tisch, im unmittelbaren Kontakt und Gespräch, nahe "an der eigenen Haut".
Eines Tages wird das die entscheidende Frage an uns sein, die Frage nach unserer Aufmerksamkeit für die Schwachen um uns, aber auch für das Schwache in uns und an uns. Und dann werden wir alle Erlöste und
Selige sein.
Christine Rod MC
Bibelwort: Lukas 12,32-48
Mahnende Worte für die Oberhirten - da können wir uns bequem zurücklehnen, oder? Auf die Nachfrage von Petrus wird Jesus ganz deutlich: Wehe den Verwaltern und Ober-Knechten, die die abhängigen Diener
drangsalieren. Wehe denen, die sich als Herren aufspielen und die quälen, die sich nicht wehren können! Kein Wunder, dass uns die aktuellen Vorkommnisse in der deutschen (und der irischen, amerikanischen, österreichischen ...) Kirche
in den Sinn kommen. Aber Jesu Worte gelten allen Christen: Es ist bitter schwer, zu warten. Da kann man leicht müde werden. Oder nur noch auf die eigene materielle Sicherheit achten. Oder sich gehen lassen, als gäbe es kein Morgen. Man
kann alte Machtverhältnisse wiederherstellen, die doch eigentlich schon überwunden waren. Oder die Türen verschliessen vor der bösen Welt da draussen und ängstlich zitternd unter sich bleiben wollen. All das, so warnt uns das
Evangelium, kann passieren, weil der Herr des Hauses auf sich warten lässt. Bleibt trotzdem wach und offen und solidarisch! Der Herr des Hauses wird es euch lohnen! Wenn er kommt, wird er euch bedienen, als wäret ihr grösser und
wichtiger als er.
Christina Bramkamp
Bibelwort: Lukas 9,51-62
Schrott, ja ablehnend erscheint Jesus in diesem Evangelium. Doch diese Charakterisierung sagt weniger über Jesus aus und mehr über unser Bild von ihm. Ich glaube, unser Gottesbild neigt oft zu
Einseitigkeiten. War es über sehr lange Zeit der strenge, strafende Gott, ist das Pendel seit einigen Jahrzehnten zur anderen Seite ausgeschlagen: der liebe, alles verzeihende, gütige Jesus. Die Wahrheit - sofern ich sie wissen kann
-liegt meiner Ansicht nach eher in der Mitte und legt uns die Mühsal der Differenzierung auf. Der Glaube ist ein Geschenk, ohne das ich nicht leben mag, zugleich weist uns Jesus aber auch auf die Ernsthaftigkeit dieses Geschenks hin.
Der Glaube ist Zuspruch, aber eben auch Anspruch an mich. Und anders kann ich es mir auch nicht vorstellen, denn nur so fühle ich mich von Gott als freier Mensch auch ernst genommen. Denn auch wenn der Glaube mich "in die Pflicht
nimmt", ist er stets ohne Zwang. Auch darauf weist das Evangelium hin: Als Jakobus und Johannes das samaritische Dorf, das Jesus und die Jünger nicht aufnimmt, vernichten wollen, weist Jesus sie zurecht. Frei darf ich mich für
Gott entscheiden, doch meine Entscheidung muss auch Konsequenzen haben. Das macht den Glauben so wertvoll.
Michael Tillmann
Bibelwort: Lukas 9,18-24
Was für eine Aufforderung: mein Kreuz auf mich nehmen, mich selbst verleugnen und Jesus nachfolgen. Da sträubt sich erst einmal alles in mir. Als ob Christ sein bedeuten würde, alles zu erdulden und sich
selbst gering zu achten. Das kann es nicht sein.
Aber dass es im Leben um mehr geht als um mich. Dass ich selbst nicht das letzte Ziel meines Lebens bin, das kann ich gut in dieser Aufforderung hören. Das Leben ist nicht dazu da, um mir jeden Tag so
angenehm wie möglich zu machen. Ich bin dazu da, um mit meinem Leben für etwas Größeres einzustehen. Dazu zu stehen, dass mein Alltag der Ort des Mensch gewordenen Gottes ist. Zu bekennen, dass diese Welt das Projekt Gottes ist, dazu
gedacht, das Reich Gottes aufscheinen zu lassen. Und die Frage der Nachfolge ist die, ob ich bereit bin, mich für dieses Projekt Gottes, für sein Reich mit Haut und Haaren in Dienst nehmen zu lassen. Auch wenn es unangenehm und steinig
wird. Lasse ich mich anstecken, für etwas zu leben, das größer ist als ich und das von Gott selbst unterstützt wird? Oder will ich mir selbst genug sein? Mein Leben gewinnen kann ich nur, wenn ich das Größere wähle.
Klaus Metzger-Beck
Bibelwort: Lukas 7,36 - 8,3
Eine Frau wird handgreiflich. Noch dazu eine, die im Haus eines anständigen Mannes und gottesfürchtigen Theologen nichts zu suchen hat. Das weiß sie auch. Sie schleicht sich von hinten an jesus heran. Sie
wagt es nicht, sich auf Augenhöhe zu begeben, bleibt zu seinen Füßen hocken und macht sich zur Sklavin: Sie wäscht mit ihren Tränen und ihren Haaren die staubigen, verschwitzten Füße jesu. Sogar das Salböl bringt sie noch selbst mit.
Und jesus lässt sie gewähren. Mehr noch: Er nennt sie ein Vorbild für andere. Der Gastgeber, ein stolzer, selbstgerechter Pharisäer, lässt es an den einfachsten Höflichkeitsriten fehlen und beleidigt damit nach orientalischem Brauch
seinen Gast schwer. Und hält sich trotzdem für etwas Besseres als die Frau, die ja schließlich eine stadtbekannte Sünderin ist.
Aber in jesu Augen ist wieder einmal alles ganz anders. Die Sehnsucht der Frau, ihm nahe zu sein, vielleicht ein gutes Wort von ihm zu hören, ihre zärtliche Sorge um einen müden, kaum um· sorgten Gast, wiegt
alle anderen Taten auf. Sie kann hoch erhobenen Hauptes weggehen von der Festgesellschaft, während sich die anderen in Grund und Boden schämen müssten. Aber davon wird im Evangelium nichts erzählt. Die Umkehr, das Erkennen der eigenen
Lieblosigkeit und Überheblichkeit, ist halt eine schwierige Sache. Auch für uns.
Christina Bramkamp
Bibelwort: Johannes 21,1-19
Unser Glaube ist ein praktischer Glaube. Selbst die großen Momente, die Begegnung mit dem Auferstandenen, sie finden nicht in feierlicher Atmosphäre statt, sondern bei der ganz alltäglichen, oft auch
erfolglosen Arbeit. Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat daraus den richtigen Schluss gezogen: "Darum gilt es nicht, in einzelnen Stunden nur und mit bestimmten Worten und Gebärden Gott zu dienen, sondern mit dem
ganzen Leben, mit dem ganzen Alltag, mit der ganzen Weltlichkeit. " Denn wenn Jesus in diesen alltäglichen Momenten nicht der Erlöser ist, dann helfen uns auch die Sonntage nichts.
Doch wenn wir im Alltag in Jesus den Auferstandenen erkennen, wird gerade dann eine neue Wirklichkeit sichtbar, eine Kraft erfahrbar, die neue Wege beschreiten lässt. Dabei müssen wir uns nicht in höhere
Sphären wegträumen (und dürfen es auch nicht); im alltäglichen Gespräch (Gebet), im gemeinsamen Mahl (Eucharistie) begegnen wir dem Auferstandenen, der uns immer wieder neu mit Hoffnung erfüllt: das Mögliche zu tun und das Unmögliche
Gott zuzutrauen.
Michael Tillmann
Bibelwort: Johannes 20,19-31
Beim Hören dieses Evangeliums steht mir immer die berühmte Skulptur von Ernst Barlach vor Augen: "Das Wiedersehen" heißt sie und thematisiert die Begegnung zwischen Christus und Thomas. Die
riesigen Augen des Thomas hängen hungrig am Gesicht Jesu und können nichts anderes wahrnehmen. Barlach hat die Not des Thomas im Kern erfasst: "Wenn ich nicht sehe, glaube ich nicht. " Mir ist diese Not nicht fremd. Wenn ich
nicht sehe, dass mein Nachbar auch was für den Umweltschutz tut, warum soll ich damit anfangen? Wenn ich nicht sehe, dass mein Sorgen und Beten für andere etwas hilft, warum soll ich es tun? Wenn ich nicht merke, dass etwas für mich
rausspringt beim Engagement für andere, warum soll ich mir den Mund verbrennen? Wenn all mein Tun sinnlos scheint, wenn alles Mitdenken und Mitplanen ohne Ergebnis bleibt, dann sage ich wie Thomas: Wenn ich nicht bald mal einen Erfolg
sehe, glaube ich nicht mehr an den Sinn hinter allem. "Selig, die nicht sehen und doch glauben", sagt Jesus dem Thomas und uns. Selig, die glauben, dass es etwas bringt, bei sich selbst anzufangen und dass auch kleine
Schritte zum Ziel führen. Selig, die glauben, dass es sich lohnt, gegen Unrecht aufzustehen. Selig, die an das Leben glauben angesichts des Todes.
Bibelwort: Johannes 8,1-11
Wo kommen wir da hin, wenn jetzt Jesus auch schon die Regeln des familiären und gesellschaftlichen Zusammenlebens infrage stellt oder zumindest missachtet? Jesus ist ein Mensch und ein Gott der anderen
Zugänge. Wie in vielen anderen Jesusbegegnungen geht es auch hier um Veränderung und um Wandlung, aber es ist spannend zu beobachten, wie Jesus das macht. Und zwar nicht aus Trick oder Manipulation, sondern mit Nicht-Verurteilung und
mit Nicht-Maßregelung und indem er der Frau ihre Würde und ihre Freiheit ganz neu bewusst macht. Vielleicht ist das eine, seine Form von Lieben. Wie es dann mit der Frau tatsächlich weitergeht, ist übrigens im Text nicht mehr zu
erfahren.
Das möchte ich von Jesus lernen, mir von ihm abschauen und ihm darin nachfolgen: Im Konflikt auf Maßregelung, Rache oder Bestrafung zu verzichten. Erst dann kann ich mein Gegenüber würdigen und in seine oder
ihre Freiheit entlassen, auch wenn es dann nicht mehr in meiner Hand liegt, wie es mit ihm oder ihr weitergeht. Vielleicht ist das eine Form von Lieben, auch für mich.
Christine Rod MC
Bibelwort: Johannes 18,33b-37
Dass bei dem Gespräch zwischen Jesus und Pilatus kein Stenograf oder Protokollschreiber dabei war, ist anzunehmen. Es war eines der letzten von Jesus überlieferten oder ihm (Jahrzehnte später von der
Johannesgemeinde) zugeschriebenen Gespräche, und angesichts des bevorstehenden und vorauszusehenden Ergebnisses dieses Schauprozesses scheint es besonders bemerkenswert, was diese beiden Männer einander in dieser besonderen Situation
zu sagen hatten.
Pilatus ist der Quasi-König im Land, und er ist ein religiös interessierter Mensch, der auch gut hinhört und die Umstände genau ergründen will. Jesus selber bezeichnet sich als König und spricht von seinem Königtum. Gerade das ist ja
das Brisante an diesem ganzen Prozess. Jesus ist kein politischer König, und doch … Sein Königtum besteht darin, dass er für die Wahrheit Zeugnis ablegt. Die Wahrheit, die da heißt: Leben, gelungenes, erfülltes Leben,
Gerechtigkeit, Friede, Glück, Erlösung und Versöhnung.
Das ist die Wahrheit Gottes, und das suchen die Menschen in vielen verschiedenen, manchmal sehr merkwürdigen Formen. Das suchen sie, in Wahrheit.
Christine Rod MC
Bibelwort: Johannes 6,60-69
An Jesus scheiden sich die Geister. Für die einen ist das, was er sagt und tut und lebt, unerträglich; die anderen merken, dass sie sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen können und wollen. An Jesus
scheiden sich die Geister, und das führt zu Unterscheidung und Entscheidung. Jesus lädt also ein, dem Leben und dem, was leben lässt, mit Unterscheidung, mit Intelligenz, mit Wachheit und Klarheit zu begegnen und als freier Mensch zu
wählen und sich in diesem Leben zu positionieren. Wahrscheinlich gibt es behaglichere und beschaulichere Wege und Vorgänge im Leben, aber dieser führt zu Wandlung und Klarheit. Und Jesus schont uns nicht: „Wollt auch ihr gehen? Ich
glaube daran, dass dieses Nicht-schonen keine Gerichtsverhandlung ist, sondern eine Einladung zum Leben, und so tut es mir gut zu merken, welches Erkennen den Jüngern im heutigen Evangelium geschenkt ist. Und aus diesem Erkennen ist
ein Bekennen geworden: Bei dir ist das Leben, und du bist der Heilige Gottes. – Was will ich noch mehr? Das ist das Glück.
Christine Rod MC
Bibelwort: Evangelium: Lukas 4,21-30
Jesus kommt aus der Einsamkeit der Wüste. Das Reich Gottes, das in Jesus hervorkommt und das Jesus buchstäblich ist, will "zur Welt kommen". Nun tritt er erstmals öffentlich auf. Es geschieht in
der Kraft des Geistes, dass der, den sie doch als Zimmermannssohn kennen, nach Galiläa kommt erstaunliche "Worte der Gnade" äußert. Am Ende steht eine unerhörte Botschaft: Das Evangelium besteht darin, dass Heil und Heilung,
die das Reich Gottes mit sich bringt, greifbar und sichtbar werden. Es bricht an im Messias Jesus. Von nun an ist Gottes Heilswille für alle Menschen unaufhaltsam im Kommen. Das göttliche Heil wird in der "Antrittspredigt" in
den frohesten Farben ausgemalt, doch kommt es nun unausweichlich zu Konflikten mit der Grundlogik der Welt, die darauf nicht vorbereitet ist. Von nun an bricht sich diese Botschaft bis an die Grenzen der Erde Bahn. Das aber ruft die
Gegenkräfte auf den Plan. Die Wirkungsgeschichte geht nur durch Widerstände ihren Gang.
Bibelwort: Lukas 3,10-18
Johannes der Täufer - ja, da war ein Radikaler. Der sagte in deutlichen Worten, wo's langgeht, da weiß man, wo man dran ist, was man tun muss. So einer ist beliebt in Zeiten, in denen so viel
Altvertrautes nicht mehr stimmt, in denen man sich nach etwas Neuem, ganz anderen sehnt - damals wie heute.
Und was rät der radikale Guru aus der Wüste den verunsicherten Gläubigen seiner Zeit, als sie ihn fragen: Was sollen wir also tun? Gar nichts besonders Revolutionäres! Die Soldaten sollen ihre Waffen nicht
missbrauchen, die Zöllner ihre Macht nicht ausnutzen. Und angesichts der Not des anderen soll man nicht wegschauen, sondern teilen, was man hat.
Das ist zu tun angesichts der nahen Ankunft des Messias - keine frommen Rückzüge ins Ghetto der Korrektheit, keine spirituellen Höhenflüge und auch keine Selbsterniedrigung im Namen der Caritas. Der Messias
kommt, wenn alle Menschen das Rechte tun, sagt eine rabbinische Theologie. Damit muss man nicht bis zum SanktNimmerleins-Tag warten. Wir könnten, nein, wir sollen schon mal anfangen. Denn der Messias steht schon in den Startlöchern,
mahnt Johannes.
Es wird ernst!
Christina Bramkamp
Bibelwort: Johannes 2,1-11
Das Fest ist in vollem Gange - und der Wein ist alle. Was für eine Katastrophe für den Gastgeber. Wie soll man feiern ohne Wein? Sie haben keinen Wein mehr, sagt ein aufmerksamer Gast zu einem andern - und
der Rest ist bekannt: Jesus hilft nicht nur dem Mangel ab, sein Zeichen ist: Überfülle. Das Fest kann weitergehen. Tagelang, von ihm aus.
Wie soll man feiern ohne Wein? Die Not der Gäste auf der Hochzeit zu Kana ist auch unsere Not: Wie können wir uns entspannen und genießen angesichts der Not um uns herum? Wie sollen wir einladen angesichts
der leeren Kassen? Wie sollen wir Gott preisen in leeren Kirchenbänken, in vom Abriss bedrohten Gotteshäusern, in überalterten Gemeinden. Sie haben keinen Mut mehr, könnte ein aufmerksamer Gast heute sagen. Hoffentlich haben wir so
einen Gast: Aufmerksam für das, was im Hintergrund passiert, mütterlich-sorgend angesichts des Mangels, diskret umgehend mit dem peinlichen Versagen des Gastgebers und energisch genug, Gott mit dem zu konfrontieren, was er sowieso
weiß: Sie haben keinen Elan mehr! Vielleicht töte ein anderer Gast ein Wunder. Damit auch unser Fest weitergehen kann.
Christina Bramkamp
Bibelwort: Evangelium: Lukas 5,1-11
Warum mischt sich Jesus, der Zimmermann, ins Handwerk der Fischer? Warum glaubt er, es besser zu wissen, wa doch sie, Petrus und die anderen, die Kompetenten in Sachen Zeit und Technik des Fischfangs sind?
Vermutlich geht es in dieser Geschichte gar nicht um Fischfang, für uns heute nicht, und vielleicht auch schon damals für die Lukasgemeinde nicht. Ich versuche, mich als Mensch des 21. jahrhunderts, der noch viel weniger vom Fischen
versteht als Jesus, von diesem Text ansprechen zu lassen; ich gehe sozusagen in die Szene hinein, halb mit meiner Fantasie und Vorstellung von der damaligen Szenerie, halb mit dem, wer und wie ich heute bin. Und so höre ich diesen Text
neu. Ich höre Jesus, der zu mir sagt: Probier' es doch noch einmal. Zieh' deine Kreise weiter, geh' tiefer. Glaube nicht, schon alles zu wissen, auch wenn du unter der Vergeblichkeit mancher immer wiederkehrender
Misserfolge leidest. Geh' neu, geh' weiter hinaus, geh' tiefer. Und mir tut die Entgegnung des Petrus gut, der dann aber vertrauensvoll meint: "Doch wenn du es sagst. " Und so bitte ich Jesus, mir den Mut und den
Glauben zu geben, meine Kreise weiter und tiefer zu ziehen als ich es bisher getan habe, auch wenn es manchmal gegen meine Erfahrung und mein besseres Wissen zu gehen scheint. Denn wenn Er es sagt ...
Christine Rod MC
Bibelwort: Lukas 9,28b-36
Ich weiß nicht recht, was ich von der Geschichte mit der Verklärung Jesu halten soll. Es entspricht so wenig unserer Realität. Es ist schön, ab und zu mal so richtig verzückt zu sein. Ja, ich glaube sogar,
dass wir das immer wieder brauchen. Aber wie Petrus bin ich versucht, mich einzurichten in meinen glorreichen Momenten. Dann meine ich, jetzt müsste doch alles für immer von allein so weiterlaufen und möchte gar nicht mehr herunter in
die Niederungen des Lebens. Aber der graue Alltag holt mich schneller wieder ein, als mir lieb ist. Unser Leben ist nun mal nicht makellos weiß, kaum einmal strahlt es in voller Leuchtkraft und die großen GipfelerIebnisse sind auch
selten genug. Unser wirkliches Leben findet im Tal statt. Im Alltag bewährt sich mein Streben, mein Reden, mein Tun. Dort, wo es jeden Tag nur mühsam vorwärts geht und manchmal nach dem Motto, zwei Schritte vor und einen zurück. Das
Entscheidende ist, ob wir auch im grauen Alltag noch einen Sinn finden und die Treue halten. Ob die Liebe uns trägt, nicht nur aufdem Gipfel, wo alles strahlend klar ist. Ob wir glauben, hoffen und vertrauen, dass Gott mit uns im Boot
ist, auch im dunklen Tal, selbst noch im Scheitern.
Klaus Metzger-Beck
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