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Die Glocken von Schlindermanderscheid
Wenn man spontan an Glocken denkt, so fällt einem zunächst der durchdringende Klang ein, welcher entsteht, wenn der Klöppel an die Glocke anschlägt. Wenn mehrere Glocken zusammen läuten, entsteht Musik. Aber auch jede einzelne Glocke
ist in sich ein Musikinstrument, denn sie erzeugt eigentlich mehrere Töne im Rhythmus des Klöppelschlages. Der Ton, den auch das ungeschulte Ohr deutlich hören kann, nennt man den Schlagton. Dieser Ton setzt sich zusammen aus einer
ganzen Reihe von Resonanz-, Unter und Obertönen. Sie geben der Glocke ihren eigenen, schönen Klang. Sind die einzelnen Töne einer Glocke gut getroffen, so ergeben sie eine gute Innenharmonie, die ausschlaggebend ist für den klar
hörbaren Klang des Schlagtones.
Die Geschichte der Geburt-Mariä-Kirche von Schlindermanderscheid und ihrer Glocken geht sicher weit zurück in die Jahrhunderte. Die zwei vorhandenen Glocken wurden im Jahre 1891 von der renommierten Glockengiesserei F. Causard
(Colmar/Frankreich) gegossen. Die Glockengiesserei Causard profilierte sich im Laufe der Jahre durch die überzeugende Qualität ihrer Glocken. Sie goss von 1832 bis 1956 immerhin 228 Glocken für Luxemburg.
Eine ihrer eindrucksvollsten Leistungen war der Guss der vier klangvollen Glocken von 1865 für die Kathedrale. Wer erinnert sich nicht gerne an den mächtigen Klang des Muttergottes-Bourdon, der leider 1985 bei einem Brand des
Glockenturmes mit den übrigen Glocken für immer verloren ging (die Causard-Glocken stehen nunmehr als Denkmal im Innenhof der Kathedrale).
Für die 200-Jahr-Feier der Pfarrei kam die sinnvolle Idee auf, das Geläut um zwei Glocken zu erweitern. In Glockengiesser Hermann Schmitt, der mit seinen zwei Söhnen in Brockscheid/Eifel
einen Familienbetrieb führt, konnte ein erfahrener Fachmann gewonnen werden. Sein Können hat er schon unter anderem in Marnach, Pintsch und Rosport unter Beweis gestellt. Mit den bereits vorhandenen Causard-Glocken ergeben sich
reizvolle Teilmotive und ein für Luxemburg einmaliges Gesamtgeläute (in ähnlicher Weise finden wir dieses Motiv in Pintsch und in Rosport wieder).
Bestanden bis jetzt kaum Variationsmöglichkeiten (zwei Glocken sind halt immer etwas langweilig, weil immer gleich), so ergibt sich nun mit den neuen Glocken ein Vierer-Geläut, das ganz neue Kombinationsmöglichkeiten zulässt. Der
ungewöhnliche Halbtonschritt zwischen Glocke 2 und 3 lässt viele Möglichkeiten in der Läuteordnung zu. So z.B. das festliche Te-Deum-Motiv als Sonntagsgeläut mit den Glocken 1, 3 und 4, das wuchtige Gloria-Motiv für geprägte Zeiten
(Advent) mit den Glocken 1, 2, und 4, das traurige Motiv in Moll für Begräbnisse mit den Glocken 1, 2, und 3. Denkbar wäre auch folgendes Motiv für Sonntage in der Fastenzeit mit den Glocken 2, 3 und 4. Wählt man nur zwei Glocken, so
ergeben sich auch hier unzählige Möglichkeiten, etwa für Werktagsmessen, Rosenkranz, Andachten, Sonntags-Angelus und andere Gebetszeiten (Glocke 1 und 2 oder Glocke 1 und 3 oder Glocke 2 und 4 und Glocke 3 und 4). Für die Hochfeste,
Weihnachts- und Osterzeit sowie sonstige Festtage kann man das klangvolle Gesamtgeläut in Betracht ziehen.
Mit der Ankunft der neuen Glocken wird auch die Gelegenheit genutzt, den Glockenturm und die Glockenstube einer gründlichen Sanierung zu unterziehen. Bisher hingen die alten Glocken in einem Stahlglockenstuhl, der für den Klang der
Glocken unvorteilhaft war. Ausserdem läuteten die Glocken zu hoch und die Klöppel waren unangepasst. Die vier Glocken kommen nun in einen vollständig neuen Holzglockenstuhl aus massivem Eichenholz, mit schönen Holzjochen und
handgeschmiedeten Flachbändern. Ausserdem werden alle Glocken mit neuen, eigens hergestellten Klöppeln aus weichem Schmiedeeisen und neuen Läutemaschinen ausgerüstet, die ein schönes und harmonisches Läuten gewährleisten. Diese
Arbeiten entsprechen den heute international üblichen Normen und werden einen wesentlich besseren Klang der Glocken erzielen.
Bischof Monseigneur Joachim Wanke von Erfurt schreibt über die Glocken folgendes: „Glocken sollten nicht die religiöse Sprachlosigkeit in unseren Pfarrgemeinden übertönen. Wohl aber könnten sie mithelfen, eine Atmosphäre zu schaffen,
in der Lebenssinn, Lebensinhalte und Religiosität Form und Gestalt annehmen und so die Überwindung unserer eigenen und die Widersprüchlichkeit dieser Welt möglich wird. Mögen die neuen und die alten Glocken von Schlindermanderscheid
dieser sinnvollen Aufgabe gerecht werden und über viele Jahrhunderte hinweg den Menschen Friede, Freude und Trost schenken.
Francis Erasmy
Die einzelnen Glocken und ihre Inschriften:
Glocke 1 „Maria:
Ton Si b (h),
Giesserei F. Causard 1891, 400 kg
Inschrift:
Glocke 2 „Anna:
Ton Do (C),
Giesserei F. Caussard 1891, 280 kg
Inschrift:
Glocke 3 „Joseph und Joachim:
Ton Re b (Des),
Giesserei Hermann Schmitt und Söhne 2004, 250 kg
Inschrift:
HELLEGE JOUSEF, HELLEGE JOACHIM ECH LAUDEN ZESUMMEN MAT DER HL. MARIA AN DER HL. ANNA FIR EIS FAMILJEN, EIS KANNER, EIS JUGENDLECH 200 JOR PAR SCHLËNNERMANESCHT 2004
Glocke 4 „Teresa:
Ton Mi b (Es),
Giesserei Hermann Schmitt und Söhne 2004, 180 kg
Inschrift:
BESONNESCH DONEN
CHORALE MIXTE 'CAECILIA' SCHLINDERMANDERSCHEID KIERCHEFABRIK SCHLËNNERMANESCHT PORROT SCHLËNNERMANESCHT JUEGDSYNDIKAT SCHLËNNERMANESCHT PÄTTER A GIEDEL. ANONYME,
ESCH-SUR-ALZETTE ANONYME, SCHLINDERMANDERSCHEID AGNES-BOCK Elise, SCHLINDERMANDERSCHEID BIVER-WORRE Elisabeth, LUXEMBOURG BODSON Danielle, KEHMEN BODSON-KNEIP Charlotte, SCHLINDERMANDERSCHEID BRAUN Théo,
LUXEMBOURG CLESEN-RASQUE Alice, SCHLINDERMANDERSCHEID DRAUT-DELL Jacques, BERTRANGE FAUTSCH-THILGES Ben, GOEBELSMUHLE FISCHER-REUTER Victor, WORMELDANGE-HAUT FRAEN A MEEDERCHER MICHELAU A
LIPPERSCHEID HERMES-HAUPESCH Pierre, BEAUFORT HOFFMANN-KETTEL Jean, BETTEMBOURG HOFFMANN-WAGNER Josy, LIPPERSCHEID HOLTZEM-ATTEN René, BETTEMBOURG HUSTING-SCHUMACHER Guy, SCHLINDERMANDERSCHEID KNEIP Marie-Anne,
DIEKIRCH LANGERTZ-REIFF Marie, SCHLINDERMANDERSCHEID LEYDER Nicolas, SCHLINDERMANDERSCHEID LINDEN-OBERLINKELS Lucien, SCHLINDERMANDERSCHEID LUDWIG-LENTZ Maisy, DIEKIRCH MAILLIET Camille, KEHMEN MERSCH Romain,
SCHLINDERMANDERSCHEID MEYERS-WANDERSCHEID Léon, MICHELAU / FLEBOUR MORN Isy, HOSCHEID MORN Joseph, LUXEMBOURG NIGGEL-LENTZ Marie, SCHLINDERMANDERSCHEID NOESEN Jean-Pierre, SCHLINDERMANDERSCHEID POMPJEEËN
SCHLENNERMANESCHT, POOS Jean, HOSINGEN RECKINGER Arthur Joseph, LUXEMBOURG REUTER-KOHL Jos, SCHLINDERMANDERSCHEID SCHROEDER-SERRES Hélène, UNTERSCHLINDER SCHUMANN-LEMMER Rose, CAP STEICHEN-BOENTGES Camille,
SCHLINDERMANDERSCHEID STEIMES-SCHROEDER Martha, EISENBACH THILL-REDING Alain, GOEBELSMUHLE TURPEL-MAILLIET Arthur, KEHMEN WAGENER Léon, PONTPIERRE WEHLES Marco, ESCHDORF
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Mir kucken haut op 200 Joer Por Schlënnermanescht zeréck. Dank ärer Mathëllef schreiwe mir dësen Dag awer och an dGeschicht vun eiser Por an.
Är Generositéit hued et eis erméiglecht während enger éierevoller Feier zwou nei Klacken anzeweien. Och gouf de Klackestull erneiert an déi zwou bestoend Klacken erëm an de richtege Lot bruecht.
Dat neit Gelauts ass e wonnerschéine Cadeau a wärt dat iwwert Generatioune bleiwen. Hire Klang soll eis all begleeden, a gudde wéi a schwéieren Deeg, eis Kraaft ginn an Hoffnung machen, eis Freed an eist
Leed mat eis deelen.
Mir soen all eisen Donateure Merci, esou wéi all deene Leid, Veräiner an Instanzen déi eis op dësem Wee ënnerstëtzt hunn. De Porrot an de Kiercherot.
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