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96. Katholikentag
in Saarbrücken «mecht matt»

vom 24. bis 28. Mai 2006

Thema: Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht 

Die geographisch günstige Lage im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg erlaubt  und fordert  eine starke europäische Ausrichtung des Laientreffens. Es wird Veranstaltungen  in französicher Sprache geben, die auch mit französischen ,belgischen und luxemburgischen Partnern vorbereitet werden. An vielen verschiedenen Orten der Stadt Saarbrücken, auf dem Messegelände, in der Innenstadt, in Schulen  und auf Plätzen wird es rund 1.000 Veranstaltungen geben. Diskussionsforen, Vorträge, Gottesdienste, Konzerte und Workshops findet man hier ebenso wie eine Kirchenmeile, auf der viele Gruppen die Vielfalt kirchlichen Engagements präsentieren, Kleinkunst und ein geistiges Zentrum.

Die Fahrkarten für den Katholikentagsonderbus sind ausschliesslich erhältlich im Service Communication et Presse, 5 avenue Marie-Thérèse,
BP 767  L 2017 Luxembourg
Tel 44 74 34 01  Fax 44 74 34 05  

Weitere  Informationen: bei Fél. Schannel CPMT  Tel  26 80 03 40

          und: http://www.katholikentag.de

96. Deutscher  Katholikentag 2006

am 28. Mai 2006 in Saarbrücken (Zentralkomitee der deutschen Katholiken).

Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht
(Deutscher Katholikentag 2006)

Hier ist das gesellschaftliche Engagement der Kirche gefragt.

In dieser Welt geht es nicht nur gerecht zu. Immer wieder stossen wir auf materielle und seelische  Not, im persönlichen Umfeld ebenso wie in der globalen  Perspektive. Dazu beizutragen, diese Not zu lindern und Ungerechtigkeiten zu beseitigen, ist die Aufgabe des Christen und der Kirche. Deshalb gehört gesellschaftliches Engagement ebenso zu den Aufgaben der Kirche wie die Feier der Liturgie und ihre Verkündigungstätigkeit. *

Liturgie, Verkündigung und Diakonie sind die drei Hauptpfeiler der Kirche, diese drei sind miteinander vernetzt und sie müssen alle drei im Glauben und Handeln im Leben des Christen verankert sein.

Im gesellschaftlichen Engagement der Kirche ist einer dieser Hauptpfeiler und zwar  die Diakonie, die Herausforderung dem Satz Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan als Christen gerecht zu werden.

Es geht darum Not zu lindern, sei es im persönlichen Engagement des Einzelnen wie in den Einrichtungen der Caritas, der Sozialkommissionen in den Pfarrverbänden  oder in der Arbeit der  einzelnen kirchlichen Dienststellen. *

Aber es wäre doch unzureichend, sich lediglich um die Linderung individueller Not und individuellen Leides zu bemühen, ohne über deren gesellschaftliche Ursachen nachzudenken und ohne dazu beizutragen, diese zu beseitigen. Aus dieser Perspektive geht es darum, über das Los des Einzelnen hinaus der Frage nach  gerechten Strukturen und den ihnen zu Grunde liegenden gesellschaftlichen Bedingungen nachzugehen. Also zu überlegen, was an der Situation Einzelner nicht nur einzelfallbezogen ist, sondern grundsätzlich angegangen werden muss. *

Dass in diesem Engagement  politischer Mut und politischer Wille gefordert ist, müsste uns allen klar sein.

So wirkt die Kirche durch ihre politisch-diakonische Tätigkeit, also durch ihr gesellschaftliches Engagement mit an der Gestaltung der Gesellschaft, des politischen Gemeinwesens, aber auch der Ökonomie, auf nationaler Ebene ebenso wie im Internationalen Massstab. Hier ist zunächst der einzelne Christ gefragt. Durch seine Beteiligung am Prozess öffentlicher Meinungsbildung, als Teilnehmer an Abstimmungen und Wahlen sowie als Träger gesellschaftlicher oder politischer Aufgaben, Ämter und Mandate kann er sich seinem politisch diakonischen Auftrag entsprechen einbringen. *

Wenn wir uns für Frieden auf der Erde engagieren, und ich glaube, das wäre für eine Christen selbstverständlich, dann müssen wir uns bewusst werden, dass Friede ohne Gerechtigkeit unmöglich ist. Hier ist ein Sehen von Realitäten von grosser Wichtigkeit.

Während Unternehmungsprofite überall auf der Welt in die Höhe schiessen, geht es momentan 89 Ländern wirtschaftlich schlechter als Anfang der neunziger Jahre. Der Kapitalismus hatte versprochen, die Globalisierung würde die Kluft zwischen Reich und Arm verringern. Statt dessen ist sie nur noch grösser geworden.

Die 356 wohlhabendsten Familien der Welt erfreuen sich zusammen eines Reichtums, der mittlerweile das Jahreseinkommen von 40 Prozent der gesamten Menschheit übertrifft.

Die drei allerreichsten Familien, Bill Gates, Warren Buffet und die Waltons von der Wal-Mart-Supermarktkette, verfügen zusammen über mehr Vermögen, als dem Jahreseinkommen der 940 Millionen ärmsten Menschen auf der Erde entspricht.

Kapitalistische Vordenker versprachen, die Unvernetzen zu vernetzen, die Armen der Welt ins globale High-Tech-Dorf aufzunehmen. Das Versprechen ist nicht eingelöst worden.

Zwei  Drittel der Menschheit haben noch immer nicht auch nur ein einziges Telefongespräch geführt, und ein Drittel der Menschheit hat keinen Zugang zu Elektrizität, lebt von der globalen Wirtschaft isoliert. **

Wir müssen hier in Europa Unternehmungsgeist unterstützen und fördern, uns aber zu gleicher Zeit wehren gegen eine Politik, wo Gewinne privatisiert und  Verluste (Schäden) sozialisiert werden. Das gemeinsam erwirtschaftete Volkseinkommen muss auch der ganzen Gesellschaft zur Verfügung stehen.

Wirtschaft: eine dienende Funktion !!!  ***

  • Das Ziel der Wirtschaft ist Bedarfsdeckung, nicht Gewinnerzielung als Selbstzweck
  • Erträge fliessen allen Mitarbeitern und der Gesellschaft zu
  • Wirtschaft verkörpert die Brüderlichkeit unter den Menschen
  • Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht der Markt
  • Wirtschaft  als kooperative ,assoziative Veranstaltung
  • Selbstbeschränkung, Behutsamkeit,Nachhaltigkeit der Wirtschaft
  • Wirtschaft als lebendiger Organismus

Wir Christen sollen die Politik in Europa mitgestalten, wo man ein Europa will, in welchem die erkämpften sozialen Rechte der einfachen Leute  die arbeiten geschütz werden. Es heisst Widerstand zu leisten gegen eine Politik, wo man den Menschen Sicherheiten wegnimmt,  so dass sie sich nicht mehr vor einer brutalen Gewalt der Marktgesetze wehren können.

Wenn wir mit allen Menschen in Europa ein solches Europa wollen und uns dafür einsetzen, dann kann Europa ein Vorbild für den Rest der Welt sein.

        Fél. Schannel – cpmt Norden

Quellenangaben:

* Internetseite   www.katholische-kirche.de

** (Artikel Die Zeit  09.06.2005: Europa wir brauchen dich, Jeremy Rifkin)

*** (aus Vision einer sozialen und verantwortungsbewussten Lebensgestaltung
H. Hagenauer, G. Fuchs, H. Bausch, H. Geyer, Th. Maile, Deutschland)